Dienstag, 27. Mai 2014

Auf in die Wiener Unterwelt...

Hallo Leute!

Den Film "Der Dritte Mann" kennen viele wohl als Klassiker. Neben der Filmmusik, die wie kaum eine andere mit Österreich verbunden ist, ist wohl die bekannteste Szene, wie Harry Lime in die Wiener Kanalisation hinabsteigt und dort unten verfolgt wird. Teile dieser Szene sind tatsächlich im Wiener Kanal gedreht worden. Auf den Spuren dieses Films gibt es eine kleine Tour...

Dritte Mann Tour
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Lage
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Start der Tour ist am Wiener Karlsplatz, direkt gegenüber der Sezession auf einer Verkehrsinsel. Am besten kommt man mit der U1, U2 oder U4 Station Oper/Karlsplatz dorthin.


Eintrittspreise
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Die Tour kostet 7€ für Erwachsene, 3,50€ für Kinder. Es gibt einen ermäßigten Preis von 5,50€ für PensionistInnen, StudentInnen, Zivil- oder Präsenzdiener, Gruppe ab 10 Personen, Kooperationsgäste.

Kinder unter 12 Jahren haben leider keinen Zutritt.


Öffnungszeiten
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Die Touren finden Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr stündlich statt. Man muss allerdings obligatorisch vorher unter www.drittemanntour.at reservieren. Trotz Karlsfest und freiem Eintritt war es kein Problem, für den nächsten Tag ein Ticket zu reservieren. Wie es in der Hauptsaison ist, kann ich leider nicht sagen. Der Zutritt ist auf 20 Personen pro Tour beschränkt.

Außerdem muss man eine Telefonnummer angeben, da die Tour bei Hochwasser kurzfristig abgesagt werden könnte.


Tour
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Die Tour beginnt beim Sterndeckel. Hier erfährt man von der Kanalisierung des Wienflusses, der in dem Bereich überbaut wurde. Hier bekommt man auch eine Papierhaube und einen Helm mit Stirnlampe. Danach steigt man über eine Beton-Wendeltreppe runter in den ersten von 4 Räumen. Es kommt außerdem ein echter Kanalarbeiter von Wien Kanal mit.

Im ersten Raum, dem Schotterfang, berichtet der Kanalarbeiter von seiner Arbeit, von den 6 Tonnen Schutt, die täglich aus der Kanalisation nach oben gebracht werden. Er erzählt, wie eben diese Schotterfänge funktionieren, wie die Kanalisation der Millionenstadt (Wien war die erste mit einer vollständigen Kanalisation) funktioniert, dass etwa das Abwasser nach Simmering geleitet wird um dort innerhalb von 23 Stunden wieder zu Trinkwasser zu werden und danach wird es der Donau zugeleitet.

Im zweiten Raum, der Überfallkammer, wurden neben dem dritten Mann zahlreiche Filme gedreht, darunter Kommissar Rex und Soko Donau. Hier bekommt man eine Projektion wichtiger Filmszenen und eben vor allem den dritten Mann in Kurzform erzählt.

Im nächsten Raum, dem Ottakringer Bach erfährt man etwas über Abwässer. Etwa dass nach dem ersten Weltkrieg Menschen in der Kanalisation gelebt haben, um etwa Fette bei Abflüssen von Gasthäusern abzuscheiden und an Seifenfabriken zu verkaufen. Witziger Nebeneffekt in diesem Raum - Teile des Abwassers, die aus Ottakring stammen, sind dunkelbraun. Das liegt allerdings nicht an menschlichen Ausscheidungen, sondern die Färbung stammt von 2 Fabriken in Ottakring: Die Ottakringer Brauerei und Manner. So roch es in dem Raum sogar sehr angenehm, nämlich nach Schokolade.

Als letztes geht es dann in den Wienfluss. Der wurde zu Kaiserzeiten auf einer langen Strecke kanalisiert und überbaut, weil der Kaiser gerne eine Prachtstraße haben wollte. Dann allerdings ging das Geld aus, so dass das Vorhaben nie komplettiert wurde. Hier hört man auch in regelmäßigen Abständen ein lautes Rauschen, welches der U4 zugeordnet wird.








Fazit
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Ich hatte ja das Glück, im Rahmen des Karlsfestes vergangenen Freitag die Tour kostenlos zu machen und muss sagen, ich war relativ begeistert, zumal der Fokus nur am Rande auf dem Film lag. In der immerhin einstündigen Tour bekommt man eben die wichtigsten Funktionen der Wiener Kanalisation nähergebracht. Sicherlich eine Tour, auf die man nicht unbedingt kommt, wenn man in Wien unterwegs ist,

Nach der Tour wünscht man sich zwar nix mehr als eine Dusche, da es eben doch nicht grade frisch riecht da unten, aber man hört spannende Geschichten über diverse Funktionen des Kanals. Mir war bisher etwa nicht bekannt, dass die Kanalisation aus mehren Bächen aus dem Wiener Wald besteht und daher täglich mehrere Tonnen Gestein eingeschwämmt werden oder etwa wie und wo das Wasser gereinigt wird.

Ich fand die Tour sehr empfehlenswert und war absolut begeistert.

In diesem Sinne

Eure Anke