Montag, 14. Oktober 2013

Wien erlesen: Auch Habsburger sind nur Menschen

Hallo Leute!

Nicht nur heute begeistern die Royals die Klatschpresse mit ihren Affären. Schon damals, als in Österreich noch ein Kaiser war und um ihn herum ganz viele Erzherzöge mit dem Namen Habsburg, lieferten diese viel Stoff für die Vorgänger der Bildzeitung. Hanne Egghardt geht dem auf den Grund.


Skandalöse Amouren im Hause Habsburg
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Daten
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Titel: Skandalöse Amouren im Hause Habsburg
Autorin: Hanne Egghardt
Verlag: Kremayr & Scheriau
ISBN: 3218008603
Preis: 22,95€


Inhalt
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Zuerst lernen wir den wohl größten Skandal des Hauses Habsburg kennen. Isabella von Parma, ihreszeichens Gattin von Kaiser Josef II. lernt am Hofe ihre Schwägerin Marie Christine kennen, Lieblingstochter von Maria Theresia. Sie findet in ihr allerdings mehr als nur eine Schwester, sondern, wie eindeutige Briefe belegen, eine Geliebte.

Als nächstes lernen wir Marie-Louise kennen, die sehr jung aus politischen Gründen mit Napoleon verheiratet wurde. Als dieser in die Verbannung kam, blieb sie alleine zurück. Mit ihrem Sohn kehrte sie zunächst an den Wiener Hof zurück, wo sie den Grafen Neipperg kennen und lieben lernte.

Die weiteren 4 Geschichten ähneln sich stark: Die Erzherzöge Johann und Heinrich bringen unwürdige Damen mit ins Kaiserhaus: Die Postlertochter Anna Plochl und die Sängerin Leopoldine Hofmann. Johann und Heinrich schließlich werden aufgrund unpassender Liebschaften gar aus dem Kaiserhaus ausgeschlossen und nennen sich fortan Orth und Wölfling und leben quasi als normale Bürger im Ausland.

Klatsch- und Tratschgeschichten aus dem Kaiserhaus werden durchaus lesenswert aufgearbeitet, die chronologie der Ereignisse erzählt. Das Buch liest sich insgesamt sehr flüssig, besonders natürlich wenn man sich für das Thema besonders interessiert. Bilder gibt es allerdings keine.


Fazit
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Ich fand das Buch recht nett zu lesen, wobei ich eine leichte Begeisterung für Wien und seine Habsburger ja nicht verleugnen kann. Hanne Egghardt analysiert die Geschichten sehr genau, meistens anhand von erhaltenen Liebesbriefen oder Briefen, die die verstoßenen Erzherzöge an den Kaiser sandten oder umgekehrt.

Ich bin einfach immer wieder gespannt darauf, wenn ich zum Beispiel im Kunsthistorischen Museum war, wer genau sich nun hinter diesen ganzen Portraits nett lächelnder Damen und Herren verbirgt, die da so schauen, als könnte sie kein Wässerchen trüben.

Als Fazit bleibt für mich nach der Lektüre eins: Auch Erzherzöge sind nur Menschen, die ausbrechen wollen aus einem System, was ihnen nicht ermöglicht, ihrem Herzen zu folgen und ohne Probleme Bürgerliche zu heiraten. Manchmal bleibt eben nur die Flucht nach Vorne und eine heimliche Heimat. Skandale und Skandälchen, die die Spatzen von den Dächern des Wiens im 17. bis 19. Jahrhundert pfiffen. Das Buch ist insgesamt genau das richtige, für geschichtsinteressierte Leserinnen der Gala. Die Erfahrung sagt, es gibt weniger interessante Bilder der barbusigen Kaiserin (Paparazzi hatten es damals noch ein bisschen schwer) aber nicht minderinteressante Skandale, die den Kaiser brüskierten und das Volk unterhielten.

Von mir gibt es insgesamt 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke